{"id":10659,"date":"2016-03-19T17:09:59","date_gmt":"2016-03-19T17:09:59","guid":{"rendered":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/shop\/steinzeit-in-waldbuettelbrunn-fundbericht-jahrgang-08-198805-1991-band-1\/"},"modified":"2016-03-29T15:41:23","modified_gmt":"2016-03-29T13:41:23","slug":"steinzeit-in-waldbuettelbrunn-fundbericht-jahrgang-08-198805-1991-band-1","status":"publish","type":"product","link":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/produkt\/steinzeit-in-waldbuettelbrunn-fundbericht-jahrgang-08-198805-1991-band-1\/","title":{"rendered":"Steinzeit in Waldb\u00fcttelbrunn: Fundbericht, Jahrgang 08.1988\/05.1991, Band 1"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"\">Pal\u00e4ontologie Waldb\u00fcttelbrunn [Hrsg.]: \u201e<em>Steinzeit in Waldb\u00fcttelbrunn<\/em>, Fundbericht Band 1, Jahrgang. 08.1988\/05.1991\u201c. Waldb\u00fcttelbrunn 1991, A4, 46 Seiten<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">6<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\nArmin Naudiet<br \/>\nSteinzeit<br \/>\nDie Naturv\u00f6lker: Erben der Steinzeit<br \/>\nIm vorausgegangenen Abschnitt (SYNESIS Nr. 5\/2005) wurde aufgezeigt, dass man sich bis heute ein v\u00f6llig falsches Bild von der Steinzeit gemacht hat. Vergisst man die unendlich langen Epochen der herrschenden Lehre, so liegt mit den noch angetroffenen Naturv\u00f6lkern die \u201eSteinzeit\u201d eigentlich direkt vor unseren historischen Epochen. Mit dem uns heute bekannten Wissen aus Ethnologie und Ethnografie k\u00f6nnen wir also direkt gedanklich in die Steinzeit hineinspazieren. Dabei soll nochmals in Erinnerung gebracht werden, dass man genauer von der \u201eZeit der naturgegebenen Werkstoffe\u201d sprechen m\u00fcsste. Nur der Einfachheit halber bleiben wir beim Steinzeitbegriff.<br \/>\nZun\u00e4chst muss dabei klargestellt werden, dass es bis vor wenigen Jahrzehnten noch Wildbeutergruppen auf unserer Erde gab, die praktisch noch \u201esteinzeitlich\u201d lebten, obwohl es um sie herum \u00fcberall schon Zivilisationen gab. Der Grund daf\u00fcr war Isolierung in R\u00e4umen, die f\u00fcr die \u201eZivilisation\u201d nach wie vor problematisch sind: W\u00fcstengebiete und tropische Urw\u00e4lder, Kaltzonen und Hochgebirgsregionen.<br \/>\nDiese Wildbeuter-, d. h. Sammler- und J\u00e4gergruppen, repr\u00e4sentierten noch im Anfang unseres Jahrhunderts die \u00e4ltere Altsteinzeit. Es sind jene Gruppen, die von den V\u00f6lkerst\u00e4mmen der Jungsteinzeit in ung\u00fcnstige R\u00e4ume zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden. Das Wort Jungsteinzeit muss allerdings anders interpretiert werden.<br \/>\nDa wir gesehen haben, dass sich in der menschlichen Entwicklungsgeschichte Umbr\u00fcche aufgrund von Naturkatastrophen ergaben, die kosmische Gr\u00fcnde hatten, wird man besser folgende Einteilung w\u00e4hlen:<br \/>\nA. Homo-erectus-Zeit<br \/>\nB. Neandertalerzeit<br \/>\nC. Vorsintflutliche Steinzeit<br \/>\nD. Nachsintflutliche Steinzeit<br \/>\nE. Steinzeit der Zivilisationsphase<br \/>\nDiese neuartige Aufgliederung hat seine besonderen Gr\u00fcnde. Sie ergaben sich aus den Konsequenzen der Zeitverk\u00fcrzung und der bisherigen Fehlbeurteilung. Zun\u00e4chst ist es wichtig, zu erkennen, dass es bei vielen Naturv\u00f6lkern noch \u201esteinzeitliche\u201d Lebensverh\u00e4ltnisse gab, als andere V\u00f6lker l\u00e4ngst in den Metallzeiten mit Zivilisation waren. Das ist die Phase E, die von etwa -2000 bis praktisch zur Gegenwart reicht, also rund 4.000 Jahre.<br \/>\nDes Weiteren ist zu beachten, dass es &#8211; bedingt durch die Globalkatastrophe \u201eSintflut\u201d &#8211; eine Trennung gab, die sehr gravierend war. Die Phase D war ganz anders als Phase C. In Phase D wurde lange Zeit \u00fcberwiegend weiter f\u00fcr Waffen und Schneidwerkzeuge Stein verwendet, obwohl man bereits Kupfer- und Bronzeherstellung und -Verarbeitung kannte. Phase D reichte von etwa -2500 bis in die Phase E hinein.<br \/>\nDie Phase C, \u201edie vorsintflutliche Steinzeit\u201d, dauerte etwa 5.000 Jahre, von etwa -8000 bis etwa -3000. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Phase war sicherlich noch \u201emetalllos\u201d. F\u00fcr das letzte Jahrtausend dieser Phase k\u00f6nnen wir allerdings nicht unbedingt die Kenntnis der Metallgewinnung und -Verarbeitung ausschlie\u00dfen.<br \/>\nWenn man bedenkt, dass um etwa -3000 eine globale Katastrophe von gr\u00f6\u00dftem Ausma\u00df eintrat, wir aber dennoch um etwa -2500 bereits erste Kupfererzeugnisse vorfinden, so werden mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit viele \u201esteinkupferzeitliche\u201d Funde auch noch dem Ende der \u201evorsintflutlichen\u201d Steinzeit zugeordnet werden k\u00f6nnen. Dies umsomehr, als ja die herrschende Lehre f\u00fcr diese Zeit keine Weltkatastrophe kennt! Es wird zuk\u00fcnftig bestimmt eine \u00dcberpr\u00fcfung und neue Zuordnung \u00e4ltester Metallfunde (Kupfer) geben.<br \/>\nDie genannten Phasen A und B waren, als reine \u201eWildbeuterphasen\u201d, auf jeden Fall ohne Metalle.<br \/>\nDoch sowohl die Phasen A und B als auch der \u00fcberwiegende Teil der Phase C kannte einen besonderen Werkstoff. Es war zwar kein Metall, aber eine ganz besondere Steinart: Obsidian &#8211; ein glasharter Stoff. Er wurde nicht nur gesammelt, sondern bereits \u201ebergm\u00e4nnisch\u201d abgebaut. Bis zum Anfang der Phase D galt diese Beschaffung noch in manchen Gebieten. Bei manchen St\u00e4mmen sogar noch in Phase E. Obsidian war in der gesamten Fr\u00fchzeit ein sehr begehrter Werkstoff. Es war der \u201eEdelstahl\u201d der Steinzeit. Wir wissen, dass mit Obsidian ein reger Handel betrieben wurde.<br \/>\nEin ebenso hochgesch\u00e4tztes Handelsprodukt in allen Phasen &#8211; von C bis E &#8211; war das Salz. Auch dieser wichtige Rohstoff wurde wirklich gewonnen. Entweder im Verdunstungsverfahren an den K\u00fcsten der Flachmeere (Flachk\u00fcsten) oder auch aus bestimmten H\u00f6hlen, die Salzablagerungen enthielten.<br \/>\nDer weltber\u00fchmteste und wohl von Anbeginn an bis heute verwendete Werkstoff war aber das Holz. Wer einmal ein Bauernmuseum mit Ger\u00e4ten aus dem vergangenen Jahrhundert besucht hat, wei\u00df, was man alles aus Holz gemacht hat, ohne irgendein Metallteil zu benutzen! Die gesamte v\u00f6lkerkundliche Literatur ist \u00fcbervoll an Beispielen f\u00fcr zahlreiche Waffen, Werkzeuge und Ger\u00e4te aus Holz.<br \/>\nIn vielen Erdr\u00e4umen wurden ganze Flotten von Booten gebaut, bei denen nicht ein einziges Metallst\u00fcck verwendet wurde! Speere, Schilde, Keulen, Hausger\u00e4te, Webst\u00fchle usw. &#8211; alles nur Holz. Stabilste Verbindungen wurden durch Zapfen, Keile, Bolzen oder Flechtwerk aus Pflanzenfasern geschaffen. Selbst die ersten R\u00e4der, eigentlich die erste geniale, technische Erfindung, waren urspr\u00fcnglich nur aus Holz.<br \/>\nMit Holz als Werkstoff und ObsidiLinienbandkeramische<br \/>\nFundgegenst\u00e4nde aus der Gegend von Waldb\u00fcttelbrunn. Es handelt sich um Schuhleistenkeile (1, 2) und das Schneidenfragment eines Mei\u00dfels (3) (Arbeitskreis Arch\u00e4ologie\/Pal\u00e4ontologie Waldb\u00fcttelbrunn [Hrsg.]: \u201eSteinzeit in Waldb\u00fcttelbrunn, Fundbericht Band 1, Jahrgang 08.1988\/05.1991\u201c. Waldb\u00fcttelbrunn 1991).<br \/>\n7<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\nan als Schneid- oder Schnitzwerkzeug wurden in allen Phasen gro\u00dfartige Dinge geschaffen. Auch Knochen lie\u00dfen sich mit Obsidian bearbeiten.<br \/>\nEs ist nicht Ziel dieser Arbeit, das gesamte v\u00f6lkerkundliche Material vor dem Leser auszubreiten. Wichtig ist allein die Erkenntnis, dass wir in den Aussagen \u00fcber die Naturv\u00f6lker in weiten Teilen Aussagen \u00fcber die \u201eSteinzeit\u201d haben. Genauer m\u00fcssten wir von \u201eSteinzeiten\u201c reden. Diese \u201eZeit der naturgegebenen Werkstoffe\u201d begann vor etwa 30.000 Jahren und ist &#8211; trotz aller Hochtechnologie &#8211; auch heute noch nicht zu Ende. Nur unsere Werkzeuge sind nicht mehr aus \u201eStein\u201d.<br \/>\nNachdem wir uns bisher nur mit dem technologischen Bereich befasst haben, soll nun der Versuch erfolgen, den immateriellen Komplex zu beleuchten.<br \/>\nAuch hier k\u00f6nnen die v\u00f6lkerkundlichen Arbeiten Vorbildliches leisten. Es wurde schon erw\u00e4hnt, dass wir keinen Grund haben, irgendwo von \u201ePrimitivit\u00e4t\u201d zu sprechen. Was war also der Grundstock des fr\u00fchen Denkens und Verhaltens? I. Herbig hat es in einem seiner B\u00fccher \u00fcber Naturv\u00f6lker sehr zutreffend formuliert:<br \/>\n\u201eBr\u00fcderlichkeit, Friedfertigkeit, Verst\u00e4ndigungswillen, Bescheidenheit, die Bereitschaft zum Ausgleich und Uneigenn\u00fctzigkeit &#8211; Eigenschaften, in denen wir, ohne sie selber zu praktizieren, noch immer die h\u00f6chsten menschlichen Tugenden sehen &#8211; waren einst unentbehrliche Voraussetzungen, um in der Wildnis zu \u00fcberleben. Nicht der Krieg ist der evolution\u00e4re Vater des Menschen, nicht Rivalit\u00e4t, Macht- und Besitzstreben haben den Menschen geformt, sondern Zusammenarbeit, Teilen und Verst\u00e4ndigung. Am Anfang war nicht die Waffe und auch nicht das Werkzeug, am Anfang war das Wort.\u201d<br \/>\nDamit ist sehr vieles ausgesagt, wenn-gleich eine gewisse Korrektur n\u00f6tig ist. Diese Korrektur sind wir den \u201ePr\u00e4hominiden\u201d schuldig. Zoologen, die lange Zeit mit Primatengruppen (Orang-Utan) zusammen waren, konnten Forschungsergebnisse vorlegen, die f\u00fcr sich sprechen. Diese hoch entwickelten Tiere (die ja keine Pr\u00e4hominiden sind) hatten eine sehr ausgebildete soziale Ordnung, \u00fcbten viele der oben genannten Eigenschaften aus, pflegten ihre Beziehungen, hielten als Gruppe zusammen und benutzten auch einfache St\u00f6cke u. a. als \u201eWerkzeuge\u201d. Das alles konnten die \u201ePr\u00e4hominiden\u201d sicher auch. Dennoch bleibt der Satz g\u00fcltig: \u201eAm Anfang war das Wort.\u201d Menschwerdung beginnt mit \u201eSprechf\u00e4higkeit\u201d! Und wie eingangs ausgef\u00fchrt, war diese ein Geschenk des Kosmos. Wir k\u00f6nnen auch \u201eder G\u00f6tter\u201d sagen, denn mit der Sprache kamen auch die G\u00f6tter oder Gott in die Welt. Das Evangelium des Johannes dr\u00fcckt es so aus:<br \/>\n\u201eIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort\u201d [1. Joh. 1].<br \/>\nEine gro\u00dfartige Darstellung, die mit wenigen Worten das Verh\u00e4ltnis von Mensch, Sprachf\u00e4higkeit und Religiosit\u00e4t erkl\u00e4rt.<br \/>\nIm Gro\u00dfen und Ganzen kann alles, was I. Herbig ausgef\u00fchrt hat, als Zustandsbeschreibung der Grundhaltung des fr\u00fchen Menschen best\u00e4tigt werden. Sie galt f\u00fcr die gesamte \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d.<br \/>\nKeinesfalls zutreffend ist die Aussage, viele Naturv\u00f6lker seien nicht f\u00e4hig gewesen, zu Ackerbau oder Viehzucht zu gelangen. Hier wird v\u00f6llig \u00fcbersehen, dass die Lebensform als \u201eSammler und J\u00e4ger\u201d, also \u201eWildbeuter\u201d, f\u00fcr viele Jahrtausende eine traditionelle Lebensform war. Sie ging von der Vorstellung aus, dass die Natur ein lebendiges Wesen sei, was ja grunds\u00e4tzlich richtig ist. Sie zu besch\u00e4digen, d. h. z. B. zu pfl\u00fcgen, h\u00e4tte bedeutet, die Erde zu verletzen. Das aber wollte man auf keinen Fall.<br \/>\nDa man aufgrund von verschiedenen Naturkatastrophen auch die \u201eGewalt der Erdmutter\u201d kannte, h\u00fctete man sich sehr, sie zu \u201eerz\u00fcrnen\u201d. Uns Heutigen mag das unverst\u00e4ndlich sein, aber es hatte durchaus einen tiefen Sinn. Zu dieser Art zu Denken trug ein sehr wichtiger Umstand bei: das Klima.<br \/>\nAlle Menschengruppen der Homo-erectus-Zeit, der Neandertalerzeit und der \u201evorsintflutlichen\u201d Steinzeit lebten in einem tropischen bzw. subtropischen Klima. Die Gruppen der Phasen A und B verlie\u00dfen ihre angestammten warmen Gebiete ohnehin nicht, und die Gruppen der Phase C waren durch das bereits erl\u00e4uterte globale Klima ihrer Zeit beg\u00fcnstigt. Diese Klimaverh\u00e4ltnisse lie\u00dfen jederzeit ein breites Nahrungsangebot wachsen, ohne dass man sich darum zu bem\u00fchen brauchte. Ackerbau oder Viehzucht waren also prinzipiell \u00fcberfl\u00fcssig. Die tropische Natur der Lebensr\u00e4ume bot alles im \u00dcberfluss. Dazu kommt, dass die damaligen Menschengruppen noch klein waren.<br \/>\nAus den \u201ealtsteinzeitlichen\u201d Knochenfunden l\u00e4sst sich auch ablesen, dass die fr\u00fchen Menschentypen beileibe nicht so alt wurden wie wir. Auch die Kindersterblichkeit war gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nDas \u201eWildbeutertum\u201d der Phasen A bis C war also v\u00f6llig \u201enormal\u201d. Die Menschen konnten mit diesem \u201eWirtschaftssystem\u201d gut leben. Auch K\u00e4lte, den gr\u00f6\u00dften Feind des Lebens, kannten sie nicht. Das alles ist zu ber\u00fccksichtigen, um sich ein Urteil bilden zu k\u00f6nnen. Nur die falschen Vorstellungen, die man sich zur \u201eEiszeit\u201d gemacht hat, haben zu den Fehldeutungen der Leistungsf\u00e4higkeit unserer Ur-Ur-Ahnen gef\u00fchrt.<br \/>\nErst mit der gro\u00dfen Globalkatastrophe \u201eSintflut\u201d wurden die Bedingungen v\u00f6llig anders, weil sich durch eine andere Erdachsenneigung das Klima abrupt und dauerhaft \u00e4nderte. Dar\u00fcber wird sp\u00e4ter noch eingehend zu sprechen sein.<br \/>\nFast alle Naturv\u00f6lker, die die Ethnologen studiert haben, lebten im subtropisch tropischen Erdraum, wenn man von den Eskimos absieht. So ist verst\u00e4ndlich, dass sich auch nach der \u201eSintflutkatastrophe\u201d f\u00fcr viele Menschengruppen und St\u00e4mme noch wenig \u00e4nderte. Klimatisch h\u00e4tten alle Wildbeuter bleiben k\u00f6nnen. Sie w\u00e4ren es wohl auch alle geblieben, wenn sie nicht &#8211; mit eindeutigen Ausnahmen wie z. B. Australien &#8211; von \u201en\u00f6rdlichen\u201d Ackerbauern oder Hirtennomaden nach der Sintflut neue Kenntnisse erhalten bzw. \u00fcbernommen h\u00e4tten.<br \/>\nDie gesamte Phase D, also die nachsintflutliche Steinzeit, war auch f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Menschheit, ob Ackerbauer oder Hirtennomade, generell \u201esteinzeitlich\u201d. Es bildeten sich allerdings in dieser Phase schon \u201eZivilisationskerne\u201d. Diese Kerne ergaben sich<br \/>\nFeuerstein-Schaber (Ritters)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\n8<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\naus dem Ackerbau. Er erzwang Sesshaftigkeit, forderte Land zur Bebauung, das man nur den \u201eWildbeutern\u201d nehmen konnte. Bei den viehz\u00fcchtenden Nomaden blieb sicherlich lange Zeit ein kooperatives Verh\u00e4ltnis zu den \u201eWildbeutern\u201d bestehen, wenngleich auch die Viehzuchtnomaden Land brauchten. So kam es zu dem bereits erw\u00e4hnten \u201eAbdr\u00e4ngungsprozess\u201d in Gebiete, die weder f\u00fcr Ackerbau noch f\u00fcr Viehzucht geeignet waren.<br \/>\nNeben den Konflikten zwischen Ackerbauern, Viehz\u00fcchtern und \u201eWildbeutern\u201d gab es allerdings eine sehr viel bedeutendere Auseinandersetzung, jene zwischen viehz\u00fcchtenden Nomaden und sesshaften Ackerbauern. Dieser Konflikt pr\u00e4gte die Menschheitsgeschichte.<br \/>\nAckerbau einerseits und Viehzucht auf nomadischer Grundlage waren zwei grundverschiedene \u201eWirtschaftsformen\u201d. Sie hatten v\u00f6llig unterschiedliche Strukturen, die sich nicht nur in der Lebensform, sondern auch in der geistigen Grundhaltung unterschieden. Ackerbau war erdverbunden, w\u00e4hrend die nomadische Viehzucht sich auf Weideland und Wasserstellen f\u00fcr die Viehherden konzentrierte. Der Ackerbau brauchte weniger, aber sehr gutes Land, w\u00e4hrend die nomadischen Viehz\u00fcchter viel Land und Wasserstellen in ausreichenden Entfernungen brauchten. Den Ackerbauern zeichnete also Beharrungsverm\u00f6gen und st\u00e4ndige Bodenpflege aus, w\u00e4hrend die Viehzuchtnomaden weitenorientiert waren.<br \/>\nAus diesen unterschiedlichen Strukturen erwuchsen gro\u00dfe Konflikte, wenn sich f\u00fcr beide Gruppen nicht gen\u00fcgend Raum anbot. Viele Erdr\u00e4ume, besonders in Tropengebieten, waren sowohl f\u00fcr die einen wie die anderen ungeeignet. Das hat zum langen \u00dcberleben der \u201eWildbeuter\u201d &#8211; gerade in jenen R\u00e4umen &#8211; erheblich beigetragen. In anderen Gebieten kam es zu gewissen Teilungen zwischen Ackerraum und Herdenraum. Manchmal geschah das im Streit, manchmal auch friedlich.<br \/>\nBezogen auf unsere Betrachtungen zur Steinzeit sind also die Phasen D und E eindeutige Epochen von Angleichung und \u00dcberschneidung. Und die meisten Naturv\u00f6lker sind in die Stufen von Ackerbau oder Viehzucht eingetreten. Nur ein sehr geringer Teil blieb der alten \u201eSammler- und J\u00e4ger-Tradition\u201c verhaftet.<br \/>\nHeute gibt es praktisch keine Naturv\u00f6lker mehr. Die europ\u00e4isch gepr\u00e4gte Zivilisation ist weltweite Norm. Doch die regionalen Unterschiede sind noch betr\u00e4chtlich. Rein werkzeugtechnisch ist die Steinzeit l\u00e4ngst vorbei. Aber in vielem anderen sind noch beachtliche Relikte fr\u00fcherer Kulturtraditionen usw. erhalten. In vielen Entwicklungsl\u00e4ndern ist es vom modernen Flughafen bis an den Rand der \u201eSteinzeit\u201d manchmal kaum eine Autostunde.<br \/>\nAus diesen Ausf\u00fchrungen lie\u00df sich erkennen, dass wir durchaus berechtigt sind, das Material der V\u00f6lkerkunde, das \u00fcberwiegend im vorigen Jahrhundert zusammengetragen wurde, zur Erforschung der \u201eSteinzeit\u201d heranzuziehen.<br \/>\nNur wenige Jahrtausende trennen uns von der \u201evorsintflutlichen\u201d und \u201enachsintflutlichen\u201d Steinzeit, und in den Naturv\u00f6lkern hat sich ein beachtliches Erbe dieser Menschheitsepochen erhalten. Viele dieser Naturv\u00f6lker lassen sich noch sehr gut mit neolithischen\/jungsteinzeitlichen St\u00e4mmen vergleichen, sofern sie Ackerbauern oder viehz\u00fcchtende Hirtenst\u00e4mme sind.<br \/>\nBei den \u201eWildbeutern\u201d ist der Vergleich mit \u201ealtsteinzeitlichen\u201d, also \u201evorsintflutlichen\u201d, Gegebenheiten durchaus zul\u00e4ssig. So ordnet sich also das zur Verf\u00fcgung stehende Arbeitsmaterial.<br \/>\nDieses v\u00f6lkerkundliche Arbeitsmaterial ist sehr umfang- und aufschlussreich, und sein Wert wird durch die aufgezeigte Zeitverk\u00fcrzung noch erheblich gesteigert.<br \/>\nDas von den Ethnologen und Ethnografen zusammengestellte Bild zahlreicher Naturv\u00f6lker, die im vergangenen Jahrhundert noch angetroffen wurden, bringt uns Lebensformen, Sitten und kultische Br\u00e4uche n\u00e4her, denen man &#8211; unter einem gewissen einschr\u00e4nkenden Vorbehalt &#8211; auch schon in der fr\u00fcheren Zeit anhing. Denn gerade dort, wo die rasanten Entwicklungen der Zivilisation auf europ\u00e4ischer Grundlage sich lange Jahrhunderte nicht ausgewirkt hatten, blieben jahrhundertealte Traditionen lebendig.<br \/>\nIm Folgenden werden also arch\u00e4Der<br \/>\nStammbaum des Menschen, wie er offiziell auch heute noch vertreten wird (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006 9<br \/>\nologische Forschungsergebnisse zur \u201eSteinzeit\u201d mit v\u00f6lkerkundlichen Ergebnissen vergleichend zusammengefasst. So lassen sich \u00fcber die \u201eSteinzeit\u201d Erkenntnisse gewinnen, die uns ein anschauliches Bild vermitteln. Es wird uns dazu verhelfen, vieles besser zu verstehen, was aus den stummen arch\u00e4ologischen Fakten nur schwer zu erkennen ist.<br \/>\nDie steinzeitliche Kulturentwicklung<br \/>\nEs gibt nicht eine Kultur der Steinzeiten. Es gab in allen Phasen stets zahlreiche Kulturen. Die Entstehung von Kulturen ist entscheidend von ihrem Umfeld abh\u00e4ngig. Dieses Umfeld war nicht immer gleich. Wesentlich pr\u00e4gendes Element der fr\u00fchen Kulturentwicklung war der Lebensraum. Natur und Kultur sind enger miteinander verbunden, als man \u00fcblicherweise annimmt. Wir werden diesen Formungsprozess im Einzelnen noch behandeln.<br \/>\nWie bereits angesprochen, hat sich die kulturelle Breite in den verschiedenen Phasen von A bis E fortlaufend vergr\u00f6\u00dfert. Das betraf allerdings nicht alle Gruppen oder St\u00e4mme.<br \/>\nF\u00fcr die Homo-erectus-Zeit und die Neandertalerzeit k\u00f6nnen wir aufgrund der \u201eWildbeuterstruktur\u201d, die offiziell galt, noch eine weitgehend homogene, fast gleichartige Kultur mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit annehmen. Dies gilt umso mehr, als wir ja auch vom praktisch gleichen klimatischen Umfeld ausgehen k\u00f6nnen. Auch die vom Lebensraum ausgehende Pr\u00e4gung war relativ einheitlich, da sich in den Phasen A und B der \u201e\u00e4lteren Steinzeit\u201d der Mensch nur im tropisch-subtropischen Erdraum aufhielt. Die bei den noch typischen Wildbeutern angetroffenen kulturellen Grundz\u00fcge k\u00f6nnen wir im Gro\u00dfen und Ganzen auf die Phasen A + B \u00fcbertragen. Sicherlich noch mit etwas gr\u00f6berem Werkzeug, aber ansonsten durchaus vergleichbar.<br \/>\nWir k\u00f6nnen also die Homo-erectus-Zeit und die Neandertalerzeit als \u201ereine Wildbeuterzeit\u201d im kulturellen Sinn bezeichnen.<br \/>\nAls diese Zeit in einer kosmisch bedingten Naturkatastrophe mit globalen Auswirkungen endete, gab es mit Sicherheit zun\u00e4chst einen R\u00fcckschritt. Vieles, was die ersten Menschen der Phasen A + B bereits erreicht hatten, wurde gef\u00e4hrdet. Andererseits brachte der Umbruch aber einen enormen Gewinn. Denn da sich die Erdstellung im Raum wesentlich \u00e4nderte, wurde es fast auf der ganzen Erde feuchtwarm. Die n\u00f6rdlichen Erdbreiten waren zwar etwas k\u00fchler, wurden aber zum Eldorado der Gro\u00dftiere. So entwickelte sich der Menschentyp Homo sapiens sapiens der \u201evorsintflutlichen Steinzeit\u201d, Phase C, intensiver zum J\u00e4ger als seine Vorfahren. Er folgte den Herden der Tiere und erreichte so praktisch alle Erdr\u00e4ume, auch den amerikanischen Kontinent. Auch zum australischen Kontinent scheint die Landbr\u00fccke mit S\u00fcdostasien weiterbestanden zu haben. So kam es auch dort zur erneuten Zuwanderung des weiterentwickelten Menschentyps.<br \/>\nDie Verlagerung des \u201ewirtschaftlichen\u201d Schwerpunktes vom Sammler zum J\u00e4ger (gesammelt wurde nat\u00fcrlich auch noch weiterhin) f\u00fchrte auch zu einer geistigen Ver\u00e4nderung. Sie wirkte sich besonders auf die Stellung von Mann und Frau aus. Es war die erste Vorstufe f\u00fcr die sp\u00e4tere Dominanz des Mannes. Im \u201ekultischen\u201d Bereich wurden die zu jagenden Tiere in die Denkvorstellungen einbezogen. Wie bereits gesagt, empfand man die Jagd als einen Einbruch in die \u201eHeiligkeit\u201d der Natur, der nur durch Opferrituale bew\u00e4ltigt werden konnte. Handelnde dieser Rituale waren die J\u00e4ger, also die M\u00e4nner.<br \/>\nDies bedeutete selbstverst\u00e4ndlich noch keine \u201eBeherrschung\u201d der Frau. Das h\u00e4tten die Lebensbedingungen auch unm\u00f6glich gemacht. Immer noch stand die Frau der Erdmutter am n\u00e4chsten. Die Jagd hatte aber Pr\u00e4gungen zur Folge, die zu sozialen Umstellungen f\u00fchrten. Die Erziehung der Knaben f\u00fcr die Jagd wurde zur Grundlage der Differenzierung.<br \/>\nVereinfachend kann gesagt werden: Die \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d war gepr\u00e4gt von der \u201eJ\u00e4gerkultur\u201d. Sie wird hier &#8211; um Unterschiede deutlich zu machen &#8211; von der \u201eWildbeuterkultur\u201d der Phasen A und B unterschieden, obwohl nat\u00fcrlich auch die Wildbeuter gejagt haben. Aber eben nur nicht so organisiert und \u201ekultisch\u201d begleitet.<br \/>\nIn den rund 5.000 Jahren der \u201eJ\u00e4gerkultur\u201d auf einer \u201eparadiesischen Erde\u201d wurde der Waffen- und Ger\u00e4tebestand deutlich verbessert und erweitert. Doch auch der \u201egeistige Hintergrund\u201d ver\u00e4nderte sich. Einerseits geh\u00f6rten die Tiere der \u201egro\u00dfen Erdmutter\u201d, andererseits brauchte man Rituale, um die \u201eAneignung\u201d von Tieren zu rechtfertigen. Doch nicht nur das. Unver\u00e4ndert war den Menschen in Erinnerung geblieben, in welchem Naturinferno sie geboren worden waren. So intensivierten sich auch Riten, die vor den Schrecken der Natur bewahren sollten.<br \/>\nOffenbar f\u00e4llt in die Phase C der \u201evorsintflutlichen Steinzeit\u201d noch eine weitere, \u201ekultisch\u201d sehr wesentliche \u201eEntdeckung\u201d: die Erkenntnis der bewussten Zeugung! In der Bibel wird es mit den Worten ausgedr\u00fcckt: \u201e&#8230; und Adam erkannte sein Weib\u201d. Das hei\u00dft nichts anderes, als dass man sich des Zusammenhangs von Geschlecht und Zeugung bewusst wurde. Zuvor bestand wohl noch die Vorstellung, dass sich Zeugung als unbeeinflussbarer Naturvorgang vollzog.<br \/>\nIn allen \u201ealtsteinzeitlichen\u201d Funden spielen bei Felszeichnungen, Steinritzungen usw. sexuelle Symbole eine<br \/>\nWollnashorn (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\n10 EFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\nbetr\u00e4chtliche Rolle. Das kann nicht von ungef\u00e4hr so sein. Auch dieses Erkenntnisfeld hat sich auf die Kulturpr\u00e4gung ausgewirkt.<br \/>\nDie \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d der J\u00e4ger war also eine sehr pr\u00e4gende Menschheitsepoche. In den letzten Jahrhunderten hat sich dann wohl auch die erste Erkenntnis von Metallen eingestellt. Zun\u00e4chst wohl das Gold. Es kam zwar selten vor, aber wo es in Fl\u00fcssen oder B\u00e4chen ausgewaschen wurde, muss dieser seltsam gl\u00e4nzende, relativ weiche \u201eStein\u201d die Menschen fasziniert haben. Da er aber nicht \u201enutzbar\u201d war, galt er ohne Zweifel als \u201eg\u00f6ttliches\u201d Relikt, das man besser dort lie\u00df, wo es war. Es geh\u00f6rte augenscheinlich den \u201ehimmlischen G\u00f6ttern\u201d.<br \/>\nGanz anders verhielt es sich wohl bei Kupfer. Es wird vermutlich bei irgendeinem Feuerprozess zuf\u00e4llig entdeckt worden sein. Ob das noch in der Phase C geschah, kann nicht sicher gesagt werden. M\u00f6glich ist es jedenfalls.<br \/>\nBetrachtet man das wirklich beachtliche arch\u00e4ologische Fundmaterial, so war die Phase C, die \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d, jene Menschheitsepoche, in der die Grundlagen f\u00fcr alle sp\u00e4teren Entwicklungen bereits gelegt worden sind. Die \u201evorsintflutliche\u201d Menschheit lebte zwar noch ohne \u201eZivilisation\u201d, aber auf einer hohen geistig spirituellen und auch materiellen Kulturstufe. Praktisch alle Erdr\u00e4ume hatten die Menschen erreicht und sich in ihnen eingerichtet.<br \/>\nDa die Lebensr\u00e4ume sehr gro\u00df, die J\u00e4ger- und Sammlergruppen aber noch relativ klein waren, kam den \u00fcberregionalen Stammesverbindungen eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Der Stamm war auch die Sprachfamilie, denn es bestanden weitverzweigte Verbindungen. Die geografischen R\u00e4ume von Sprachfamilien waren zu jener Zeit riesengro\u00df, da ja noch keine Sesshaftigkeit bestand.<br \/>\nBesondere Bedeutung hatte die Phase C hinsichtlich der Hautfarben, dem wichtigsten Unterscheidungsmerkmal. Bedingt durch die besonderen Umst\u00e4nde einer fast 5.000-j\u00e4hrigen &#8211; nur breitenabh\u00e4ngigen &#8211; konstanten Sonneneinstrahlungsrate wurden die Hauptpigmentgruppen entwickelt. Die Menschen der Phasen A und B, Homo erectus und Neandertaler, m\u00fcssen durchgehend noch relativ kleinw\u00fcchsig und von relativ dunkler Hautfarbe gewesen sein, da sie nur im tropischen Erdraum lebten.<br \/>\nErst in der \u201eparadiesischen\u201d, \u201evorsintflutlichen\u201d Phase C, in der sich die Menschen \u00fcber die ganze Erde verteilten, entwickelten sich die drei Hauptpigmentgruppen: Gelblich wei\u00df, r\u00f6tlich braun und braunschwarz.<br \/>\nBestimmend f\u00fcr die genetische Kodierung der Hautfarbe war ausschlie\u00dflich der jeweilige Breiteng\u00fcrtel des Lebensraumes. In den tropischen Zonen sehr dunkel, in den anschlie\u00dfenden Zonen r\u00f6tlichbraun und in den n\u00f6rdlichen Zonen gelblichwei\u00df. Dieser Prozess konzentrierte sich weitgehend auf die landmassenreiche Nordh\u00e4lfte der Erde.<br \/>\nAuch die Gruppenphysiognomien bildeten sich aus, also das, was man immer als \u201eRassenmerkmale\u201d bezeichnet hat. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass von der enormen Zeitverk\u00fcrzung f\u00fcr die Menschheitsgeschichte auch Impulse f\u00fcr eine Neubewertung des anthropologischen Materials ausgehen werden. Was lange Zeit f\u00fcr Jahrzehntausende getrennt erschien, kommt in einen zeitlichen Kontext.<br \/>\nDie letzten Ausf\u00fchrungen geh\u00f6ren zwar nicht in den Themenbereich \u201eKultur\u201d, mussten aber zum Verst\u00e4ndnis gr\u00f6\u00dferer Zusammenh\u00e4nge unbedingt eingef\u00fcgt werden.<br \/>\nMit der \u201eSintflutkatastrophe\u201d, die um etwa -3000 eintrat, \u00e4nderte sich wahrhaft alles. Das \u201eParadies\u201d der \u201evorsintflutlichen Steinzeit\u201d war dahin.<br \/>\nDurch die Vergr\u00f6\u00dferung der Erdneigung &#8211; bei fest bleibendem S\u00fcdpol -, ergaben sich gerade f\u00fcr die viel st\u00e4rker von Menschen bewohnte Nordh\u00e4lfte der Erde extreme Klima\u00e4nderungen. Der n\u00f6rdliche Pol, der etwa 5.000 Jahre v\u00f6llig eisfrei war, wurde wieder zur Eisw\u00fcste. Doch der Prozess begann nicht sofort. Er erforderte einige Jahrhunderte.<br \/>\nDurch schwerste Erdkrustenersch\u00fctterungen traten Landhebungen und Landabsenkungen ein. Viele Landbr\u00fccken verschwanden, und wo vorher Land war, breitete sich nun Meer aus.<br \/>\nDiese gewaltigen geografischen und klimatischen Ver\u00e4nderungen, begleitet von riesigen Fluterscheinungen, verw\u00fcsteten weite Erdr\u00e4ume. Die n\u00f6rdlichen Gro\u00dftiere wie Mammut und Wollnashorn starben aus. Auch die Flora \u00e4nderte sich in den neuen \u201egem\u00e4\u00dfigten Breiten\u201d erheblich. Und da die \u201eneue Erde\u201d nun zwei K\u00e4ltepole hatte, ergaben sich auch komplett neue Klimazonen und Meeresstr\u00f6mungen. F\u00fcr die \u00dcberlebenden der \u201eJ\u00e4gergruppen\u201d, aus der Phase C, muss eine wahrhaft schreckliche Zeit angebrochen sein. Viele Erdgebiete, die zuvor noch zu Fu\u00df erreichbar waren, wurden insular isoliert. Das galt beispielsweise f\u00fcr den amerikanischen Kontinent und Australien.<br \/>\nEs ist kaum n\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass diese Weltkatastrophe auch zu einer Z\u00e4sur in der Kulturentwicklung der Menschen f\u00fchrte. Die \u201enachsintflutliche Steinzeit\u201d unterschied sich von der \u201evorsintflutlichen\u201d betr\u00e4chtlich. Sie wurde gepr\u00e4gt von gro\u00dfen Wanderungsbewegungen und Anpassungsvorg\u00e4ngen an v\u00f6llig neue Umweltbedingungen. Ganz entscheidend war, dass es nun auf unserem Planeten echte Jahreszeiten im heutigen Sinne gab. Das wirkte sich besonders in den gem\u00e4\u00dfigten Breiten der n\u00f6rdlichen Erdh\u00e4lfte aus, denn dort befand sich ja die gr\u00f6\u00dfte Landmasse. Anf\u00e4nglich war die Solarperiodik noch weit gr\u00f6\u00dfer als heute und nahm dann sp\u00e4ter ab.<br \/>\nDiese Klimastufen wurden von der Pal\u00e4obotanik als Yoldia-, Ancyclus-, Mastagloia-, Litorina-, Limnea- und Myazeit bezeichnet.<br \/>\nMammut (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006 11<br \/>\nEtwa 200 bis teilweise 500 Jahre dauerte die schwere St\u00f6rungsphase nach der Sintflutkatastrophe. Danach begann unsere Phase D, die in der geltenden Lehre als das Neolithikum oder Jungsteinzeit bezeichnet wird. Es ist die Zeit der kulturellen Differenzierung, weil sich unterschiedliche \u201eWirtschaftsformen\u201d entwickelten: Ackerbauern, Fischer, nomadische Viehz\u00fcchter und weiterhin nat\u00fcrlich noch \u201eJ\u00e4ger und Sammler\u201d.<br \/>\n\u00dcber die ersten Ackerbaukulturen kam es zu erstmals festen Ansiedlungen.<br \/>\nDoch nicht nur neue Wirtschaftsformen entstanden, sondern auch ein v\u00f6llig neues Bewusstsein. Aus der gro\u00dfen Globalkatastrophe, deren Ausl\u00f6ser ja \u201ehimmlische\u201d Ereignisse waren, zog man bei allen St\u00e4mmen die Erkenntnis, dass die \u201eG\u00f6tter\u201d den \u201eHimmel\u201d bewohnten. Das war der Beginn des astralreligi\u00f6sen Glaubens. Man hatte erkannt, um wie viel m\u00e4chtiger die Astralg\u00f6tter waren, als die bisher angebeteten Erdg\u00f6tter.<br \/>\nDie Astralg\u00f6tter zu vers\u00f6hnen, bedufte es noch weit mehr, als es bei der Erdmutter und Herrin der Tiere bisher \u00fcblich gewesen war. So entstanden in den ersten Ansiedlungen auch erste Tempel. Und in diesen Tempeln wurden besondere Priesterinnen und Priester mit der schwierigen Aufgabe betreut, die \u201eG\u00f6tter\u201d durch Opfer gn\u00e4dig zu stimmen. Mit den ersten, um die Tempel entstehenden Ansiedlungen ergaben sich aus \u201eWirtschaftsform\u201d und \u201ekultischem Tempeldienst\u201d die fr\u00fchesten Ans\u00e4tze von \u201eZivilisation\u201d.<br \/>\nLandbebauung, Bew\u00e4sserung, Kulthandlungen in den Tempeln, Errichtung von Bauten usw. erforderten eine Organisationsstruktur. Dies alles zusammen hat sich bis heute nicht mehr ge\u00e4ndert.<br \/>\nF\u00fcr die Hirtennomaden, die ja keine festen Ansiedlungen hatten, wurde der Himmel selbst zum Zentrum der Anbetung, und sie errichteten auf ihren Weidepl\u00e4tzen an besonderen Orten \u201eMerkzeichen\u201d f\u00fcr den Dienst an den G\u00f6ttern. Das konnten Steinmale, besonders geografische Merkpunkte (Felsen u. \u00e4.) sein. Auch andere \u201eMerkzeichen\u201d wurden errichtet.<br \/>\nAus den unterschiedlichen \u201eLebensformen\u201d entstanden auch unterschiedliche Kulte. W\u00e4hrend die Ackerbauern Fr\u00fcchte ihrer Ernten als Opfer brachten, opferten die Viehz\u00fcchter besondere Tiere aus ihren Herden. Nicht nur die Wirtschaftsformen waren kontr\u00e4r, auch die Glaubensvorstellungen entwickelten sich kontr\u00e4r. Darauf wird sp\u00e4ter noch n\u00e4her eingegangen.<br \/>\nEine Gruppe m\u00fcssen wir besonders betrachten: die Fischerkulturen, die sich an den gro\u00dfen Meeren entwickelten. Sie trugen den Keim einer bedeutenden Expansion in sich. Warum?<br \/>\nIm Gegensatz zu Ackerbau und Viehzucht, die auch kleinen Familieneinheiten m\u00f6glich waren, erforderte der Bau von Booten zum Fischfang unbedingt eine kollektive Arbeitsleistung. Hinzu kam erhebliches technisches Wissen. Auf dem Land sich zu bewegen war dem Menschen von Beginn an gegeben. Doch sich auf das Meer hinauszuwagen, dazu ben\u00f6tigte man Mut und technisches Geschick.<br \/>\nAls man noch in Sichtweite des Landes blieb, gab es Orientierungspunkte. Doch wenn man das Land v\u00f6llig hinter sich lie\u00df, brauchte man die astronomische Navigation. In den \u201eFischerkulturen\u201d wurden die Wurzeln f\u00fcr wissenschaftliches, abstraktes Denken gelegt! Ganz sicher waren die ersten und besten Astronomen Seefahrer!<br \/>\nDie gro\u00dfen Expansionsbewegungen gingen also einmal von den Fischerkulturen und zum anderen von den Nomaden der riesigen Ebenen aus. Gab es bei den Ackerbauern also ein \u201ebeharrendes\u201d Denken, so waren die vorgenannten Kulturen \u201eweitenorientiert\u201d.<br \/>\nNat\u00fcrlich waren nicht alle St\u00e4mme an den Meeresk\u00fcsten expansiv. Die Kulturmorphologie hat erkannt, dass eine engere Bindung an das Meer in erster Linie dort entstand, wo das Meer sich in unz\u00e4hligen Buchten tief in das Land eingefressen hatte, oder zahlreiche kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Inseln die K\u00fcste begleiteten. Einer dieser R\u00e4ume war z. B. S\u00fcdostasien, ein anderer der Mittelmeerraum.<br \/>\nDie Australier oder die Afrikaner blieben v\u00f6llig dem Meere fern, w\u00e4hrend aber z. B. die nordwestamerikanischen K\u00fcstenindianer weit in den Pazifik vorstie\u00dfen.<br \/>\nIm Raum der alten, orientalischen Welt waren es die St\u00e4mme des Indusdeltas, die sich wohl zuerst dem Meer zuwandten. In Europa jene, die an den K\u00fcsten des Atlantiks lebten. Auch das Mittelmeer z\u00e4hlt dazu.<br \/>\nUnabh\u00e4ngig von der wirklichen Hochseefahrt hat es allerdings lange Zeit auch reine K\u00fcstenfischerei in Landn\u00e4he gegeben.<br \/>\nDie gut bew\u00e4sserten Flusst\u00e4ler gro\u00dfer Str\u00f6me wurden allgemein die ersten R\u00e4ume gr\u00f6\u00dferer Ackerbauansiedlungen, die auch langfristig stabil blieben. Andere lagen in weiten Flussauen usw. Die gro\u00dfen Ebenen mit Grasland, die Gebirge und die weiten Steppen waren die R\u00e4ume der Hirtennomaden. Dabei muss beachtet werden, dass vor Zeiten die gro\u00dfen W\u00fcsten noch nicht bestanden. Sie entwickelten sich nach der \u201eSintflut\u201d erst nach und nach im Laufe von etwa 2.000 Jahren.<br \/>\nDie Entwicklungsgeschichte des Neolithikums, unsere Phase D und teilweise noch E, bietet ein vielgestaltiges Bild. Es ist nicht das Ziel dieser Studie, es im Einzelnen darzustellen, denn sie ist bereits Geschichte im umfassenden Sinne. Auf Einzelheiten wird im Rahmen anderer Darstellungen einzugehen sein.<br \/>\nEs erschien mir allerdings wichtig, nochmals auf gewisse geistig kulturelle gro\u00dfr\u00e4umige Strukturen einzugehen. Dabei beziehe ich mich auf Arbeiten,<br \/>\nMammuts sollen w\u00e4hrend der \u201eEiszeit\u201c im Schnee gelebt haben (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\n12 EFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\ndie L. Frobenius und das Kulturmorphologische Institut schon 1923 ver\u00f6ffentlicht haben.<br \/>\nEs war meine Absicht, in diesem Abschnitt die steinzeitliche Kulturentwicklung in gro\u00dfen Z\u00fcgen darzulegen. F\u00fcr jeden, der sich nicht st\u00e4ndig mit der Vorgeschichte befasst, werden diese Ausf\u00fchrungen hilfreich sein.<br \/>\nEine katastrophisch-dynamische Urgeschichte der Erde und des Menschen<br \/>\nDie Geschichte des wirklich echten Menschen auf unserem Planeten umfasst nicht rund 700.000 Jahre sondern nur etwa 30.000 Jahre. Mit dieser enormen Zeitverk\u00fcrzung erh\u00e4lt die Menschheitsgeschichte die Dynamik zur\u00fcck, die ihr durch das lyellistisch-darwinistische Zeitschema grundlos genommen wurde.<br \/>\nEntgegen der schulwissenschaftlichen Vorstellung, das geografische Erdbild sei seit Jahrmillionen so wie heute, wird hier eine andere Meinung vertreten: Das ungef\u00e4hre heutige Erdbild formte sich erst vor etwa 30.000 Jahren! Ursache war eine gewaltige Globalkatastrophe, die die Festlandsmassen v\u00f6llig anders verteilte.<br \/>\nErheblich unterst\u00fctzt wurden diese gigantischen Ver\u00e4nderungen des Erdbildes durch den sehr nahen Vorbeiflug eines Himmelsk\u00f6rpers, der so gro\u00df war wie die Erde und von einer gewaltigen Masse von Staub und Gesteinsbrocken umgeben war.<br \/>\nDiese Mitl\u00e4ufer hatte der Himmelsk\u00f6rper eingefangen, als er kurze Zeit zuvor mit einem anderen Himmelsk\u00f6rper zusammengesto\u00dfen war. Es war ein Planet, der zuvor ebenfalls unsere Sonne umrundet hatte. Noch heute wird sein fr\u00fcherer Platz im Weltraum durch den so genannten Asteroideng\u00fcrtel markiert.<br \/>\nIn k\u00fcrzester Zeit entstanden die gro\u00dfen Faltengebirge der Erde, die gro\u00dfen Tiefseegr\u00e4ben usw. Es war ein h\u00f6llisches Geschehen. Wir k\u00f6nnen es ein wenig nachempfinden, wenn wir uns manche Gebirgsauffaltungen ansehen. Bei diesem erdgeschichtlichen Drama nahm die Erdachse eine neue Stellung ein. Ihr unterer Schwerpunkt wurde der riesige antarktische Kontinent. Der \u00fcberwiegende Teil allen Festlandes wurde allerdings nach Norden verschoben. Danach begann die polare Vereisung an beiden Erdpolen. Sie waren zuvor gr\u00fcnes Land.<br \/>\nGanz sicher hat nur ein sehr geringer Teil der Pflanzen- und Tierwelt (einschlie\u00dflich der Pr\u00e4hominiden) dieses Inferno \u00fcberlebt. Und dennoch war es die Geburtsstunde der ersten Menschen. Das erscheint kaum glaubhaft. Aber es gibt daf\u00fcr einen besonderen Grund. Es war ein besonders gl\u00fccklicher Umstand, dass die Pr\u00e4hominiden nur in Afrika lebten.<br \/>\nDieser heutige Kontinent lag als stabilster Block im Zentrum der ehemaligen Landmasse. Jener Block blieb weitgehend fest, w\u00e4hrend der \u00fcberwiegende Teil der Landmassen abgerissen wurde. Wir Menschen verdanken also unser Dasein einem puren Zufall.<br \/>\nIn den Pr\u00e4hominidengruppen, die die schrecklichen Naturkatastrophen \u00fcberlebten, geschah ein Wunder. Durch die enormen optischen und akustischen Reize, die ihr Gehirn \u00fcberfluteten, sowie durch gewaltige elektrische Entladungen, mutierten sie und erhielten eine erste, noch rudiment\u00e4re Sprechf\u00e4higkeit. Der bewusst denkende und sprechende Mensch war geboren. Allerdings nur sehr wenige und nur in Afrika. Aber nun kam er in die Lage, Erfahrungen auszutauschen, die \u00fcber den Instinkt hinausgingen. Die Tatsache, dass der erste Mensch, Homo erectus, sein angestammtes Revier verlie\u00df und das Feuer zu nutzen verstand, kennzeichnet ihn als eindeutig echten Menschen.<br \/>\nDurch die Umverteilung der bisherigen Landmassen und die polaren Eisbildungen wurden neue, gro\u00dfe, zusammenh\u00e4ngende Landmassen geschaffen. Dies umso mehr, als der Spiegel der heutigen Weltmeere niedriger wurde. Dem Homo erectus waren also in seinem Expansionsbetrieb nur geringe Grenzen gesetzt. Da er aber ein Lebewesen der tropisch-subtropischen R\u00e4ume war, hat er sich nat\u00fcrlich auch in der Hauptsache in diesen R\u00e4umen bewegt.<br \/>\nMan muss sich die Lebensweise dieses ersten Sammlers und J\u00e4gers in etwa so vorstellen wie jene der s\u00fcdafrikanischen Buschm\u00e4nner und -frauen. Auch ihre Sprechweise d\u00fcrfte deren Khoisan-Sprachen \u00e4hnlich gewesen sein. Wo die Natur ihnen nat\u00fcrliches Obdach bot, Fels\u00fcberh\u00e4nge oder H\u00f6hlen, nahm man dieses Angebot an. In den flachen Savannen benutzte man einfache Windschirme, wie z. B. die Ureinwohner Australiens. Hauptschlagwerkzeug war der zugeschlagene Faustkeil. Dazu einfachste Steinklingen. Ansonsten wurden h\u00f6lzerne Werkzeuge benutzt.<br \/>\nNicht zu vergessen ist, dass der Mensch in seiner damaligen Welt eine Minderheit war. Es war haupts\u00e4chlich eine Welt der Tiere. Die Jagd war f\u00fcr den Menschen weit schwieriger als man sich denkt. Sein Lebensraum war das Lager der Gruppe. Gewiss zog er auch nicht aus reiner Wanderlust um die halbe Erde, sondern er folgte den Herdentieren, die stets wandern.<br \/>\nEtwa 12.000 Jahre lebte der Homo erectus, kosmisch ungest\u00f6rt. Alle Naturkatastrophen, die auch er in gro\u00dfer Zahl erlebte, waren in der Mehrzahl<br \/>\nFeuersteinklingen (Ahrensburg) (Ritters)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006 13<br \/>\nVor der Sintflut-Katastrophe und der folgenden Temperaturabsenkung herrschten auf der Erde paradiesische Zust\u00e4nde (GLG-Archiv)<br \/>\ndie Folgeerscheinungen der erw\u00e4hnten Gro\u00dfkatastrophe. Denn die so ersch\u00fctterte Erde beruhigte sich sehr lange Zeit nicht.<br \/>\nZw\u00f6lf Jahrtausende sind eine sehr lange Zeit. Sie ist nur gesch\u00e4tzt. M\u00f6glicherweise waren es sogar noch einige Jahrtausende weniger. Mehr waren es aber bestimmt nicht. Die Wissenschaft nennt diesen Zeitraum das Acheul\u00e9en.<br \/>\nDurch Sprechf\u00e4higkeit und sich erweiternde Erfahrung nahm die intellektuelle Leistung zu. Das Gehirnvolumen vergr\u00f6\u00dferte sich mehr und mehr. So wurde aus dem Homo erectus der Homo neanderthalensis. Von ihm wurden bereits mehr Funde gemacht als vom Homo erectus. Wir h\u00e4tten gewiss noch weit mehr Spuren des Neandertalers, wenn der st\u00f6rende Himmelsk\u00f6rper nicht wiedergekommen w\u00e4re.<br \/>\nEines Tages tauchte jener \u201eSchrecken der Menschheit\u201d wieder auf. Es war eine, nach irdischen Zeitma\u00dfen, relativ lange Zeit verstrichen, weil die Bahn des Himmelsk\u00f6rpers noch sehr lang gestreckt elliptisch war. Als er wieder der Erde nahe kam, wurden erneut schwerste Naturkatastrophen ausgel\u00f6st. Dabei verloren viele Menschen und Tiere ihr Leben.<br \/>\nSo ist es auch nicht verwunderlich, dass man Spuren von diesen Fr\u00fchmenschen oft unter Ablagerungen findet, die viele Meter dick sind: Sand, Ger\u00f6ll, Kies usw.<br \/>\nF\u00fcr die Fortentwicklung spricht, dass bei den gefundenen Neandertalern das Gehirnvolumen bereits dem unseren entsprach. Dass sie bereits ein reges kultisches Empfinden und Handeln besa\u00dfen, wird gut belegt. Sie begruben ihre Toten bereits mit bestimmten Ritualen.<br \/>\nRund 6.000 Jahre lebten die Neandertaler auf unserem Planeten. Ihre Zeit war &#8211; ebenso wie die des Vorfahren Homo erectus &#8211; gepr\u00e4gt von einem wesentlich k\u00fchleren Klima als heute. Wenn es hier als \u201eEiszeit\u201d bezeichnet wird, so unter einem gewissen Vorbehalt. \u201eEiszeit\u201d definiert sich dabei nur durch gr\u00f6\u00dfere Eismengen an den Erdpolen, besonders am S\u00fcdpol. Dort wuchs das Eis am st\u00e4rksten an. Am Nordpol weniger, weil er im Meer lag. Und das ist nat\u00fcrlich w\u00e4rmer als ein gebirgiges Festland wie der S\u00fcdpolkontinent. Auch heute befinden sich rund 90 % der Gesamteismassen der Erde in der Antarktis.<br \/>\nDie Zeit der Neandertaler wird das Moust\u00e9rien genannt. Moust\u00e9rienfunde finden sich in vielen Erdr\u00e4umen. Das zeigt, dass wir uns die Neandertaler als weitverbreitete Erdbev\u00f6lkerung vorstellen m\u00fcssen. Das beste Bild, das wir uns vom Neandertaler machen k\u00f6nnen, finden wir in den Ureinwohnern Indiens (Weddiden), Melanesiens (Papua) und Australiens (Aborigines). Durch ihre weitgehende Isolierung in unwirtlichen Bergregionen, Urw\u00e4ldern oder jener fr\u00fcher sehr fernliegenden Insel haben sie ihre Urspr\u00fcnge am reinsten erhalten k\u00f6nnen.<br \/>\nNach rund 6.000 Jahren, also nun nur noch in etwa der halben Zeit als zuvor, kam der in unser Sonnensystem eingedrungene Himmelsk\u00f6rper wieder. Die Zeit hatte sich verringert, weil seine Bahnbewegung durch die Sonnenkraft st\u00e4rker \u201eeingerundet\u201d worden war.<br \/>\nSeine erneute \u201eNahbegegnung\u201d mit der Erde hatte wiederum katastrophale Folgen. Sie traf nun aber eine geistig bereits voll entwickelte Menschheit. Wieder kam es zu gewaltigen Naturkatastrophen verschiedenster Art. Wiederum verloren viele Menschen ihr Leben, die Erdbev\u00f6lkerung wurde dezimiert. Dennoch war diese Katastrophe auch ein Segen, weil sie einen erheblichen Klimawechsel zur Folge hatte. Bei der Nahbegegnung zwischen dem Irrl\u00e4ufer und Erde wurde der Neigungswinkel der Erdachse so ver\u00e4ndert, dass die Erdachse nun nahezu senkrecht zur Bahnebene der Erdbahn stand. Nun wurde das Klima weltweit \u201eparadiesisch\u201d. Der S\u00fcdpol behielt zwar einen Teil seiner Gletschereismassen, aber am Nordpol schmolz alles Eis ab. Diese Klimaver\u00e4nderung und die dann eintretenden konstanten Temperaturen in den Erdbreiten waren die entscheidenden Grundlagen f\u00fcr den Aufstieg des Jetztmenschen, des Homo sapiens sapiens. Er bem\u00e4chtigte sich jetzt in gro\u00dfem Umfang der n\u00f6rdlichen Erdh\u00e4lfte und drang auch in den amerikanischen Kontinent vor. Das war die so genannte j\u00fcngere Altsteinzeit. Ihre Bezeichnungen sind Aurignacien bis sp\u00e4tes Magdal\u00e9nien.<br \/>\nDiese Menschheitsepoche war von entscheidender Bedeutung. Ich habe sie in dieser Arbeit als Phase C, die \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d bezeichnet.<br \/>\nDieser kurze Abriss der fr\u00fchesten Zeit hat erkennen lassen, dass wir uns die ersten Menschheitsepochen anders vorzustellen haben, als es gegenw\u00e4rtig noch gelehrt wird. Au\u00dferdem muss die Geschichte der Natur unseres Planeten in seinen katastrophischen Pr\u00e4gungen erfasst werden.<br \/>\nDer Homo erectus trat in eine v\u00f6llig ver\u00e4nderte Welt ein, die sich geografisch neu gestaltet hatte. Seine Entwicklung wurde massiv durch eine Globalkatastrophe unterbrochen, die sich in H\u00f6hlenstratigrafien deutlich als starke Sinterschicht niedergeschlagen hat.<br \/>\nDie \u00dcberlebenden dieser Katastrophe entwickelten sich weiter zum bekannten Neandertaler. Doch auch<br \/>\nSteinzeit<br \/>\n14 EFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\nseine Entwicklungsgeschichte wurde kataklysmisch unterbrochen. Auch hier markiert den Umbruch wieder eine Sinterschicht.<br \/>\nAuch diese Katastrophe \u00fcberlebte ein Teil der Menschheit. Er begann als Homo sapiens sapiens seinen weltweiten Weg \u00fcber die Erde in einer \u201eparadiesischen\u201d Epoche. Aber auch der jetzige Menschentyp &#8211; Homo sapiens sapiens &#8211; wurde von kosmisch bedingten Katastrophen nicht verschont.<br \/>\nDie f\u00fcr ihn entscheidendste Globalkatastrophe war die \u201eSintflut\u201d. Auch sie wird in H\u00f6hlenstratigrafien durch eine m\u00e4chtige Sinterschicht gut dokumentiert.<br \/>\nFassen wir das Geschehen der Fr\u00fchzeit des Menschen zusammen, so zeigt sich ein direkter Zusammenhang zwischen globalen Katastrophen und Menschheitsgeschichte. Schon immer ist von den Anthropologen gesehen worden, dass es Br\u00fcche in der Evolution der Menschen gab. Im Rahmen der lyellistisch-darwinistischen Chronologie waren sie allerdings stets Jahrhunderttausende voneinander getrennt. Doch f\u00fcr solche unendlich langen Zeitr\u00e4ume gibt die arch\u00e4ologische Evidenz nichts her. Das Problem zeigt sich hier ganz woanders.<br \/>\nBedingt durch ein urs\u00e4chlich zusammenh\u00e4ngendes kosmisches Geschehen, das in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzen Abst\u00e4nden in die Evolution eingriff, hatte die Menschheit betr\u00e4chtliche \u201eStartschwierigkeiten\u201d. Geboren in und aus einer Katastrophe heraus, bremsten die Nachfolgekatastrophen den Entwicklungsprozess immer wieder ab. Selbst nach der Sintflutkatastrophe gab es noch zwei gr\u00f6\u00dfere St\u00f6rungen, die von entscheidendem Einfluss waren. Erst vor knapp 2.500 Jahren kam der Himmel zur Ruhe.<br \/>\nIm Bereich der geistig seelischen Entwicklung des Menschen haben sich diese schrecklichen Katastrophen als \u201eAggressionsverhalten\u201d niedergeschlagen. Der denkende Mensch wurde durch diese furchtbaren Eingriffe der Natur einerseits zum h\u00f6chstentwickelten Lebewesen, andererseits aber auch zum aggressivsten. Dieses Aggressionsverhalten wurde zum Bestandteil seines \u00dcberlebenswillens, der sich letztendlich auch gegen seine eigenen Artgenossen wandte. Die eine Menschengruppe wurde der anderen zum Feind, weil sie &#8211; aus der gleichen \u00dcberlebensfunktion heraus &#8211; Forderungen stellte, die nicht immer auf friedliche Weise erf\u00fcllbar waren.<br \/>\nDie komplexe Problematik \u201eKrieg\u201d entstand zu Anfang ausschlie\u00dflich aus \u00dcberlebensgr\u00fcnden. Sp\u00e4ter wurden Kriege aus Rivalit\u00e4ts- und Machtgr\u00fcnden gef\u00fchrt. So wurde der Mensch sich selbst zu seinem gr\u00f6\u00dften Feind. Dieses tragische, katastrophisch gepr\u00e4gte Erbe konnten bis heute weder die Religionen noch die Menschheitsphilosophien ausr\u00e4umen. Es wird dem Menschen wohl auch verbleiben, weil sich mit seiner zivilisatorischen Entwicklung der geistige Schwerpunkt vom \u201e\u00dcberlebenwollen\u201d zum progressiven \u201eBesitzenwollen\u201d verlagert hat.<br \/>\nEr kann sich aber wieder zum \u201e\u00dcberlebenwollen\u201d ver\u00e4ndern, wenn sich das stets schon ungleiche Verh\u00e4ltnis zwischen \u201earm\u201c und \u201ereich\u201d weiterhin drastisch ver\u00e4ndern sollte. Auf jeden Fall tr\u00e4te ein solcher Wandel ein, wenn sich wieder eine Globalkatastrophe ereignen w\u00fcrde.<br \/>\nDas Paradies &#8211; die Welt<br \/>\nvor der Sintflut<br \/>\nDass unser Planet in eine Klimaepoche geriet, die man als \u201eparadiesisch\u201d bezeichnen kann, war einer schweren kosmischen St\u00f6rung am Ende der Neandertalerzeit zu verdanken. Bedingt durch den nahen Vorbeiflug des bereits genannten neuen Himmelsk\u00f6rpers wurde die Lage der Erdachse im Raum so stark ver\u00e4ndert, dass sie danach nahezu senkrecht zur Erdbahn um die Sonne stand. Auch diese kosmische Ver\u00e4nderung war mit schweren Naturkatastrophen verbunden. Sicher war es f\u00fcr den Erdbewohner zun\u00e4chst ein tragisches Ereignis, bei dem viele ihr Leben verloren. Doch danach sah unsere Welt v\u00f6llig anders aus.<br \/>\nDas Eis am n\u00f6rdlichen Pol, das nur gering war, schmolz v\u00f6llig ab. Am S\u00fcdpol verringerte es sich betr\u00e4chtlich. \u00dcberall auf der Erde wurde es nun relativ gleichm\u00e4\u00dfig warm, denn die Solarperiodik nahm stark ab. Nur entsprechend der Breitengrade wurde die Temperatur allm\u00e4hlich k\u00fchler.<br \/>\nDa es praktisch keine hei\u00dfen Sommer und kalten Winter mehr gab, weil die Solarperiodik fast v\u00f6llig fehlte, war die Temperatur im Jahresmittel zwar etwas k\u00fchler (etwa 1-2o C), aber generell weitgehend feuchtwarm, d. h. subtropisch, bis auf die Nord- und S\u00fcdregion. Es ergab sich daraus ein sehr breiter tropisch-subtropischer G\u00fcrtel, dem nur im Norden und S\u00fcden der Erdkugel geringere Temperaturen gegen\u00fcberstanden. Im S\u00fcden lag der k\u00fchlere Raum ohnehin im Meer, und der k\u00e4ltere Pol war wegen seiner H\u00f6he der S\u00fcdpol.<br \/>\nDer Spiegel der Weltmeere war zwar, gegen\u00fcber der vorhergegangenen Zeit, etwas angestiegen, aber das wurde durch die Verdunstungsraten auf der feuchtwarmen Erde wieder ausgeglichen. Au\u00dferdem band der feuchtere Boden generell mehr Wasser. Damit waren riesige R\u00e4ume der Erde, die heute vom Meer bedeckt sind, noch trockenes Land. Diese Landmassen waren entweder subtropisch warm oder hatten etwa 15o C (Tag und Nacht). Der relativ k\u00fchle Nordraum der Festlandsmassen war laub- und wiesengr\u00fcn; ein herrlicher Lebensraum f\u00fcr Mammut, Urbison, Wollnashorn, Wildpferde usw.<br \/>\nWer etwas Vorstellungsverm\u00f6gen hat, kann sich den Begriff vom \u201eParaEinschlag<br \/>\neines Himmelsk\u00f6rpers (NASA)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\nEFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006 15<br \/>\ndies\u201d ausmalen. Paradies hei\u00dft nichts anderes als \u201eGarten\u201d, und auf geheimnisvolle Weise scheint in der biblischen Legende vom \u201eGarten Eden\u201d noch ein dunkler Erinnerungsrest an die vorsintflutliche Zeit erhalten geblieben zu sein. Dass die tropisch-subtropische Erdzone \u201eparadiesische\u201d Verh\u00e4ltnisse in Fauna und Flora hatte, versteht sich von selbst.<br \/>\nIn diese Welt trat der Homo sapiens sapiens, der heute noch lebende Menschentyp. Er war J\u00e4ger und Sammler, wie seine Vorg\u00e4nger auch. Doch da er schon eine recht lange Entwicklungsgeschichte hinter sich hatte, war er so \u201emodern\u201d wie wir selbst. \u00dcberall, wohin auch schon der Neandertaler gekommen war, begann sich der \u00fcberlebende Teil der Menschheit die Welt anzueignen. Der Jetztmensch zog durch ganz Asien bis in den hohen Norden, wanderte nach Amerika und durchdrang den ganzen riesigen Kontinent. Sowohl in Europa als auch in Afrika war er zu Hause, und auch Australien war seine Heimat. \u00dcberall wo noch heute Menschen leben, lebte auch der Mensch vor der Sintflut.<br \/>\nDie orthodoxe Lehre nennt diese Epoche \u201edie j\u00fcngere Altsteinzeit\u201d. Aus dieser Epoche wurden und werden immer wieder Artefakte gefunden. Es sind Speerspitzen und Pfeilspitzen, Artefakte aus Mammutelfenbein, Knochennadeln usw. usw. Besondere Bewunderung erregt die Kunst jener Epoche. Die herk\u00f6mmliche Forschung nennt sie \u201eEiszeitkunst\u201d. Es sind herrliche H\u00f6hlen- und Felsmalereien, Steinritzungen von Figuren, Statuetten aus Mammutelfenbein usw. Diese Kunstwerke wurden allerdings nicht der reinen Kunst wegen geschaffen. Sie haben alle einen mythisch-religi\u00f6sen Hintergrund, der uns heute allerdings nicht mehr verst\u00e4ndlich ist. Auf jeden Fall l\u00e4sst sich aber erkennen, dass die Sprache der Bilder sich in Kompositionen darbietet, die sowohl die \u201eBeseeltheit\u201d der Natur, als auch Zeugung, Geburt, Tod ausdr\u00fccken.<br \/>\nIm europ\u00e4isch-asiatischen Nordraum spielen dabei die gro\u00dfen Herdentiere eine dominante Rolle. In den tropischen Gebieten sind es Riesenschlangen, Raubkatzen usw. Dies alles best\u00e4tigt die formenden Kr\u00e4fte der Natur der jeweiligen Lebensr\u00e4ume. Zentrale Bedeutung hat das Wasser, das als Urquell allen Lebens l\u00e4ngst erkannt ist. Es gibt aber auch Symbole, die mit Sicherheit mehrsinnig waren, die wir aber nicht zu deuten verm\u00f6gen.<br \/>\nLangwierige Untersuchungen der Bildinhalte von \u201ealtsteinzeitlichen\/vorsintflutlichen\u201d H\u00f6hlen legen die Vermutung nahe, dass es sich deutlich um \u201esakrale\u201d Kunst handelt. Welche religi\u00f6sen Vorstellungen sich damit verbanden, werden wir niemals ergr\u00fcnden k\u00f6nnen. Wir d\u00fcrfen aber aufgrund der geistigen Grundeinstellung des Menschen annehmen, dass in diesen religi\u00f6sen Vorstellungen die Natur, Geburt, Tod und Wiedergeburt eine tragende Rolle hatten.<br \/>\nDass dabei die Tiere des Lebensraumes gewisse g\u00f6ttliche Kr\u00e4fte verk\u00f6rperten, ist eindeutig. Andere Bilder, die meist nur in Spezialb\u00fcchern ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen zus\u00e4tzlich die beachtliche Bedeutung des menschlichen Zeugungsvorgangs.<br \/>\nDie zu jenen Zeiten noch relativ kleinen Menschengruppen auf einer von Tieren beherrschten Welt haben zweifellos nicht geringe Probleme gehabt, sich in einer sehr dominanten Natur durchzusetzen. Der Mensch war weitaus schw\u00e4cher als die meisten Tiere, aber er war statt dessen auch entschieden anpassungsf\u00e4higer. Kernraum der menschlichen Lebensaktivit\u00e4ten war die Gro\u00dffamilie oder Sippe. Sie ist es f\u00fcr viele Jahrtausende geblieben. Erst in unserem Jahrhundert beginnt sie sich nach und nach aufzul\u00f6sen.<br \/>\nDiese Bindung innerhalb der Sippe blieb stets ein stabilisierendes Element, auch wenn es sp\u00e4terhin zu gr\u00f6\u00dferen Stammesverb\u00e4nden kam. Lebenszentrum war das Lager der Sippe.<br \/>\nWenn wir dies sehen und erkennen, so wird auch verst\u00e4ndlich, dass das Dorf, &#8211; bei sp\u00e4terer Sesshaftigkeit &#8211; die gleiche Funktion \u00fcbernommen hat. F\u00fcr die Nomaden blieb es immer das Lager, wo immer sie sich auch befanden.<br \/>\nEs w\u00e4re falsch, w\u00fcrde man sich vorstellen, in der \u201eparadiesischen\u201d vorsintflutlichen Zeit seien die Menschengruppen alle st\u00e4ndig gewandert. Die Verhaltensweisen noch angetroffener \u201eWildbeuter\u201d zeigten, dass das nicht der Fall war. Sie bewegten sich zwar in gr\u00f6\u00dferen R\u00e4umen, aber betrachteten sie als Heimatraum.<br \/>\nDie \u201eInbesitznahme der ganzen Welt\u201d muss man sich also anders vorstellen. Wenn eine Gruppe f\u00fcr ihren Heimatraum zu gro\u00df geworden war, mussten sich bestimmte Teile neue Heimatr\u00e4ume suchen. Dieser Prozess zog sich jahrtausendelang hin. Es war also ein sehr langlebiger Prozess, der sich von Generation zu Generation vollzog. So ist auch verst\u00e4ndlich, dass die Arch\u00e4ologen zumeist nur Pl\u00e4tze entdeckten, die von relativ kleinen Gruppen benutzt worden sind. Erstaunlicherweise aber meist f\u00fcr eine sehr lange Zeit. Das best\u00e4tigt das Heimatgef\u00fchl. Die Heimat des vorsintflutlichen Sammlers und J\u00e4gers war zwar r\u00e4umlich gr\u00f6\u00dfer, aber dennoch konstant. Und \u00fcber 5.000 Jahre hinweg wurden immer neue Heimatr\u00e4ume gesucht und erschlossen.<br \/>\nEs liegt auf der Hand, dass sich neue Gruppen, die auf Heimatsuche gingen, an den gro\u00dfen Tierherden orientierten. Wo diese hinzogen, musste es auch Lebensraum f\u00fcr den Menschen geben.<br \/>\nDie Sintflut kam mit Tsunami-\u00e4hnlichen Wellen nach einem Himmelsk\u00f6rper-Einschlag (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<br \/>\n16 EFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006<br \/>\nWenn man also sagt, dass erst mit dem Ackerbau Sesshaftigkeit entstand, so sind damit ortsfeste Ansiedlungen in g\u00fcnstiger Lage gemeint. Diese Sesshaftigkeit war also strukturell anders als in der \u201ej\u00fcngeren Altsteinzeit\u201d der Phase C.<br \/>\nRufen wir uns ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck, dass der Mensch der \u201evorsintflutlichen\u201d Zeit die M\u00f6glichkeit hatte, die meisten Gebiete der Erde noch zu Fu\u00df zu erreichen. Diese M\u00f6glichkeit hat er weitgehend genutzt.<br \/>\nSo entstanden aus den fr\u00fchen Sippen miteinander verwandte St\u00e4mme, deren Lebensr\u00e4ume sehr gro\u00df waren. Mit sich stetig steigernder Entfernung trat im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden aber auch eine Entfremdung ein. Die verschiedenen Lebensr\u00e4ume formten die dort lebenden Menschen, und die Sprachen brachen in immer mehr Dialekte auseinander, bis man sich am Ende nicht mehr verstand.<br \/>\nDie Wirtschaftsform des Sammelns und Jagens blieb allerdings unver\u00e4ndert. So ist verst\u00e4ndlich, dass sich die gefundenen Artefakte, die ja zweckm\u00e4\u00dfig geschaffen wurden, funktional gleichen. Eine Steinaxt wurde weltweit eben zum gleichen Zweck verwendet wie ein Steinmesser oder ein Jagdspeer.<br \/>\nDennoch konnten die arch\u00e4ologischen Untersuchungen der Artefakte \u00fcber alle Fundstellen der \u201ej\u00fcngeren Altsteinzeit\u201d hinweg, langfristig st\u00e4ndige Verbesserungen und Verfeinerungen aufzeigen. Es gab also &#8211; mit regionalen Unterschieden &#8211; st\u00e4ndige technische Weiterentwicklung.<br \/>\nDiese Weiterentwicklung gab es nat\u00fcrlich auch in geistig kultureller Hinsicht, aber sie ist nat\u00fcrlich schwerer zu bestimmen, wenn man nur die Artefakte besitzt. So verbleiben nur indirekte Schlussfolgerungen, die sich auf die Malereien, Kunsterzeugnisse oder Bestattungsrituale beziehen.<br \/>\nDieses zwangsl\u00e4ufig mangelhafte Beweismaterial l\u00e4sst sich allerdings durch ethnografische Befunde erg\u00e4nzen. Das wurde bereits angesprochen. In den noch angetroffenen Wildbeutern, z. B. den australischen Ureinwohnern, haben wir damals noch lebende Formen \u201ealtsteinzeitlicher\u201d Art vorgefunden.<br \/>\nDa wir gute Kenntnisse ihrer Br\u00e4uche und auch ihrer Mythologie besitzen, lassen sich R\u00fcckschl\u00fcsse auf die in den Artefakten nicht erkennbare Geistesverfassung ziehen. Und diese war von einer beachtlichen Tiefe.<br \/>\nEthnologische Zeugnisse anderer Wildbeutergruppen zeigten ein \u00e4hnliches Bild. Das berechtigt dazu, die \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d als eine durchaus hohe Kulturstufe in der Menschheitsgeschichte zu betrachten. Es ist sogar zul\u00e4ssig, gegen Ende dieser Epoche in einigen Erdr\u00e4umen schon Ans\u00e4tze f\u00fcr erste feste Ansiedlungen mit d\u00f6rflichem Charakter zu erwarten. Unter \u201ed\u00f6rflich\u201d werden dabei Gemeinwesen verstanden, die in geschlossenen Siedlungen lebten.<br \/>\nWir kennen Funde, die offensichtlich der \u201ej\u00fcngeren Altsteinzeit\u201d zuzurechnen sind, die diese Aussage rechtfertigen. Dabei sind arch\u00e4ologische Fundst\u00e4tten wie G\u00f6nnersdorf bei Andernach oder Predm\u00f4st in M\u00e4hren, die sich nicht als reine Jagdlager deuten lassen.<br \/>\nEbensolche Fundpl\u00e4tze gibt es im Nahen Osten und an anderen Stellen. Und wenn wir uns die r\u00e4umliche Konzentration bestimmter \u201ealtsteinzeitlicher\u201d Kulth\u00f6hlen mit ihren wunderbaren Malereien betrachten, so l\u00e4sst das auf eine regional starke, praktisch schon sesshafte Bev\u00f6lkerung schlie\u00dfen (auch ohne Ackerbau).<br \/>\nEs kann mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit vermutet werden, dass solche Pl\u00e4tze sich dort bildeten, wo die Sammel- und Wasserpl\u00e4tze der gro\u00dfen Wildherden waren. Dort konnte man die langfristige Ern\u00e4hrungsgrundlage als gesichert ansehen.<br \/>\nAndere Gebiete lagen an Meeresk\u00fcsten. Hier war schon sehr fr\u00fch Sesshaftigkeit nahe liegend, weil ja das Meer st\u00e4ndig neue Nahrung spendete. Sesshaftigkeit ist also nicht prinzipiell mit Ackerbau gleichzusetzen.<br \/>\nBei diesen \u00dcberlegungen m\u00fcssen wir uns nochmals in Erinnerung rufen, dass die klimatischen Verh\u00e4ltnisse auf der \u201eparadiesischen\u201d Erde der \u201evorsintflutlichen Steinzeit\u201d au\u00dferordentlich g\u00fcnstig waren. Allen Menschengruppen und -st\u00e4mmen bot die Natur ihrer jeweiligen Lebensr\u00e4ume gen\u00fcgend Nahrung. Dass der Mensch der \u201ej\u00fcngeren Altsteinzeit\u201d gro\u00dfe Schwierigkeiten gehabt h\u00e4tte, um zu \u00fcberleben, ist ein gelehrtes M\u00e4rchen. Es entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als L. Agassiz seine Theorie von einer \u201egro\u00dfen Eiszeit\u201d entwickelte. Erst ab dieser Zeit wurden von den Altertumsforschern Szenarien entwickelt und beschrieben, die den heute \u00fcblichen Bildern entsprechen. Doch zutreffend sind sie keinesfalls.<br \/>\nDie \u201evorsintflutliche Steinzeit\u201d, unsere Phase C, identisch mit der \u201ej\u00fcngeren Altsteinzeit\u201d des Jetztmenschen, war eine allgemein sehr g\u00fcnstige und positive Epoche der Menschheitsgeschichte. Ihr Ende war allerdings schrecklich. Es endete in der \u201eSintflutkatastrophe\u201d.<br \/>\n\uf06e<br \/>\nSpeerspitzen, die der Clovis-Kultur zugeordnet werden (GLG-Archiv)<br \/>\nSteinzeit<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pal\u00e4ontologie Waldb\u00fcttelbrunn [Hrsg.]: \u201eSteinzeit in Waldb\u00fcttelbrunn, Fundbericht Band 1, Jahrgang. 08.1988\/05.1991\u201c. Waldb\u00fcttelbrunn 1991, A4, 46 Seiten \u00a0 6 EFODON-SYNESIS Nr. 1\/2006 Armin Naudiet Steinzeit Die Naturv\u00f6lker: Erben der Steinzeit Im vorausgegangenen Abschnitt (SYNESIS Nr. 5\/2005) wurde aufgezeigt, dass man sich bis heute ein v\u00f6llig falsches Bild von der Steinzeit gemacht hat. Vergisst man die unendlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":15019,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"product_cat":[121],"product_tag":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/product\/10659"}],"collection":[{"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/product"}],"about":[{"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/product"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10659"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15019"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"product_cat","embeddable":true,"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/product_cat?post=10659"},{"taxonomy":"product_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/andromeda-buecher.de\/buch2\/wp-json\/wp\/v2\/product_tag?post=10659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}